Willkommen auf unserer Homepage.

Der „Verkehrsverein Gladbeck e.V.“ wurde am 04. April 1913 gegründet, ist also über 100 Jahre alt. Seit den Anfängen hat er sich auf die Fahnen geschrieben, die wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt zu fördern, das Stadtbild zu pflegen und das Heimatbewusstsein in der Bürgerschaft zu beleben. Gemeinnützig und selbstlos. Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. Unser Online-Auftritt bietet Informationen über die Stadt Gladbeck, zu den unterschiedlichen Aktivitäten des Verkehrsvereins und anderes Wissenswertes. Viel Spaß beim Blättern und Lesen.

 

Wer erinnert sich noch? Die Nachkriegszeit im Rückblick: Aus Trümmern zu neuer Blüte

Am Ende des 2. Weltkriegs zählte Gladbeck zu den am stärksten zerstörten Städten des Ruhrgebiets, in der Innenstadt lagen 43 Prozent der Bebauung in Trümmern. Mehr als 5100 Häuser mit über 16.000 Wohnungen wurden völlig zerstört, weitere 450 Häuser waren abbruchreif. Die Bevölkerung war Ende März 1945 auf nur noch 40.000 geschrumpft, zu Kriegsbeginn waren es gut 61.000 gewesen. Es dauerte deshalb einige Zeit, bis sich die Stadt aus Not und Depression befreite, eine neue Demokratie entwickelte und Gladbeck es nach und nach zu neuer Blüte brachte.

Am 29. März hatten amerikanische und kanadische Truppen die Stadt von der Nazi-Herrschaft befreit, die Briten richteten eine Militärverwaltung ein und benannten beratende Organe. Johannes Schulte wurde kommissarischer Oberbürgermeister, danach bis 1947 Oberstadtdirektor. Im Spätsommer 1945 wurden Parteien und Gewerkschaften zugelassen, am 13. Oktober 1946 folgten die ersten demokratischen Kommunalwahlen seit 1929.

Die SPD wurde mit 45 % stärkste Partei, die CDU kam auf 38 % und die KPD auf 15,5 % der Stimmen. Die Stadtverordnetenversammlung, der spätere Rat, wählte Fritz Lange zum Oberbürgermeister.
Er war gemäß der von den Briten geprägten Kommunalverfassung Vorsitzender des Rates und oberster Repräsentant der Stadt. Am 15. August 1947 löste Hans Boden als erster frei gewählter Verwaltungschef den bis dahin amtierenden Oberstadtdirektor Johannes Schulte ab. (s.a. Bilderseiten)

„Die junge Demokratie stand in den ersten Jahren vor großen Problemen. Die Versorgungslage spitzte sich (…) zu”, beschreibt der heutige erste Beigeordnete Rainer Weichelt die Situation in seiner 'Geschichte der Stadt Gladbeck'. Es gab nur kleine Rationen über die Lebensmittelzuteilungen, der 'Hungerwinter' 1947/48 ließ auf dem Marktplatz 8000 Demonstranten gegen Schiebereien, Schwarzmarkt  und Knappheit von Lebensmitteln protestieren. Erst nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 entspannte sich die Situation spürbar.
Unglaublich große Wohnungsnot verschärfte die Situation. Trümmer mussten beseitigt, Straßen und Gebäude wiederhergestellt werden – möglichst schnell, aber ohne Geld und Baumaterialien. Und tatsächlich gelang im Laufe der nächsten Jahrzehnte die Herkulesaufgabe, nicht zuletzt dank zahlreicher privater Initiativen, Siedlergemeinschaften und ab 1965 natürlich des neuen Stadtteils Rentfort-Nord.

Wichtigster Aufbauträger war seit 1955 die 'Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Gladbeck' (GWG), dessen größten Anteil am Stammkapital die Stadt Gladbeck bis heute hält. Zweck des Unternehmens war und ist die Versorgung mit Wohnraum zu günstigen Mieten sowie die Modernisierung des städtischen Altbaubestandes.

Als zum 1. Januar 1990 die Gemeinnützigkeit per Gesetz wegfiel, blieb die GWG dennoch ihrem Gründungsgedanken verbunden. Sie bemüht sich bis heute, guten und günstigen Wohnraum auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel zu anzubieten (1600 Wohnungen sind heute vermietet), als Bauträger neue Wohnformen zu entwickeln sowie Projekte zu verwirklichen, die Perspektiven für das Leben in unserer Stadt zeigen.

Ständiger Wandel bringt Aufschwung mächtig auf Touren

Und immer wieder veränderte sich das Stadtbild. Viele öffentliche Gebäude rund ums Rathaus und in den Stadtteilen wurden neu gebaut, alte verschwanden. Die Innenstadt erhielt im Laufe der Jahrzehnte mehrfach ein völlig neues Gesicht und glänzt heute mit einer zeitgemäßen Fußgängerzone. Nach umfangreicher Umgestaltung lädt sie zum Bummeln, Shoppen oder Verweilen ein. Ein neues Pflaster, eine ansprechende Begrünung und Ruheinseln zeigen Wirkung. Mit dem Umbau entstand ein familienfreundlicher Ort, an dem sich alle Generationen wohlfühlen können. Bleibt zu hoffen, dass unsere Innenstadt neu belebt und als Treffpunkt für Einheimische, aber auch für Besucher wieder attraktiver wird.
Auch der Rathausplatz wandelte sich im Laufe der Zeit mehrfach. Heute - nach dem Abriss der PCB-verseuchten Bürotürme 2005/06 und dem Bau des Neuen Rathauses - bietet er auf 7000 Quadratmetern eigenes Flair.
Einst war er Verkehrsknotenpunkt mit vierspuriger Straße, Ampeln und Straßenbahnverkehr in der Mitte. Anfang der 90er Jahre wurde der Verkehr herausgenommen, bis 1995 war der Umbau zum Platz abgeschlossen und dieser nach Willy Brandt benannt.
Schulen und andere  Bildungseinrichtungen, Kulturangebote, Kitas und Spielplätze, Freizeittreffs und Erholungsbereiche mit viel Grün machten Gladbeck lebens- und liebenswert. Eine tolle Leistung!

Gladbeck hat u.a. eine Stadthalle, eine Volkshochschule, Musikschulen, eine Kunstschule, eine Bücherei, Galerien und Museen. Es gibt acht Grundschulen, eine Hauptschule, eine Gesamtschule, drei Realschulen, drei Gymnasien, zwei Berufskollegs mit beruflichem Gymnasium, eine Freie Waldorfschule, eine Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, eine Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Die Stadt betreibt vier Kinder- und Jugendeinrichtungen als außerschulische Bildungsstätten. 35 Kitas stehen den Jüngsten offen. Es gibt eine Reihe katholische und evangelische Kirchen, freikirchliche und neuapostolische Gotteshäuser, eine Moschee und weitere islamische Gebetsräume.


Kaum zu glauben, welche Entwicklung und welch einen Wandel diese Stadt in den vergangenen knapp 75 Jahren fertiggebracht hat, wenn man sich an die Trümmerlandschaft nach Kriegsende erinnert. Die WAZ berichtet seit sieben Jahrzehnten ausführlich in ihrem Lokalteil darüber, ebenso bis zu ihrer Einstellung im März 2006 die Ruhr Nachrichten (RN). Der Stadtspiegel und Radio Emscher Lippe sind inzwischen dazugekommen.

An der Schnittstelle zwischen Ruhrgebiet und Münsterland verbindet Gladbeck heute die Lebensqualität einer modernen und lebendigen 'familienfreundlichen' Stadt mit den optimalen Rahmenbedingungen eines zentralen Wirtschaftsstandortes. Denn  unsere Stadt liegt verkehrsgünstig an wichtigen Nah- und Fernverkehrsverbindungen. Die 'Drehscheibe Gladbeck' hat sich bis zur Jahrtausendwende zum wichtigsten Verkehrskreuz im Norden des Ruhrgebiet entwickelt.

Direkte Anbindungen an zwei Autobahnen, Bundes- und Schnellstraßen, Güterverkehrsstrecken sowie die Nähe zu Intercity-Bahnhöfen, Wasserstraßen und Internationalen Flughäfen sprechen für den Standort. Gladbeck hat drei Bahnhöfe und ist dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr angeschlossen. Busverbindungen in der Stadt und in die Nachbarstädte gehören zum Netz der Vestischen Straßenbahnen, die Buslinien 188 und 189 werden vom Busverkehr Rheinland betrieben. Die ehemaligen Straßenbahnlinien 10 und 17 wurden 1976 und 1978 eingestellt.

Mit großer Mehrheit hat der Rat der Stadt Gladbeck am 26. November 2015 dem Ausbau der B224 zur A52 mit einem 1,5 km langen Tunnel auf Gladbecker Stadtgebiet zugestimmt. Grundlage für den Ratsbeschluss war eine Vereinbarung zwischen dem Bundesverkehrsministerium (BMVI), dem Verkehrsministerium des Landes NRW und der Stadt Gladbeck. Am 25. Februar 2016 hat das BMVI grünes Licht gegeben, dass „die konkrete Projektplanung durchgeführt werden kann, wobei die in der Vereinbarung niedergelegten Eckpunkte zu Grunde gelegt werden sollen.”
Danach hat das Verkehrsministerium des Landes NRW den Landesbetrieb Straßen.NRW beauftragt, mit der Detailplanung zu beginnen.

Grundlage für den Wiederaufbau und das 'Wirtschaftswunder' war die Kohle, der Bergbau seit 1873 der wichtigste Arbeitgeber – fast 100 Jahre lang. Doch schon Anfang der 1950er Jahre siedelten sich weitere namhafte Industriebetriebe in Gladbeck an, z.B. 1952 die 'Phenolchemie' und die 'Deutsche Rockwool', wenig später 'Borsig' und weitere mittelständische Unternehmen an der Bottroper Straße in Ellinghorst. Die Wirtschaft blühte auf wie nie zuvor.
Aber schon die 1960er Jahre brachten für viele Gladbecker eine große Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz: Innerhalb von neun Jahren stellten alle Gladbecker Zechen ihren Betrieb ein, tausende von Kumpeln verloren ihren Arbeitsplatz. 1971 wurde Graf Moltke III/IV als letzter Pütt stillgelegt - das Ende des Bergbaus in Gladbeck. Ein gewaltiger Strukturwandel erschütterte das gesamte Ruhrgebiet. 'Siemens' brachte 1962 mit seinem Werk für Fernsprechtechnik neue Hoffnung mit geplanten 4.800 Arbeitsplätzen, 1991 war auch hier wieder Feierabend.

Das Siemens-Areal an der Bottroper Straße in Ellinghorst - gegenüber von Rockwool - umfasste 192 000 Quadratmeter. Wo heute u.a. ein Büromarkt, eine Autowerkstatt und ein Fastfood-Restaurant zu finden sind, drehte sich von 1962 bis 1991 alles um Telefone, Relaissätze und Schaltungen. Bis zu 4500 Menschen, überwiegend Frauen, arbeiteten dort, zuletzt waren es nur noch 980. Als der Konzernvorstand trotz guter Auftragslage im Januar 1991 die Schließung beschloss, schlug die Empörung riesige Wellen: Protestmärsche, eine Sondersitzung des Stadtrates, eine Protestfahrt zur Siemens-Zentrale in München, TV-Berichte von der 'Tagesschau' bis zum 'heute-journal'. Es half alles nichts. Siemens machte dicht!

Dabei hatte die Ansiedlung als ein Leuchtturm-Projekt begonnen - gefördert mit öffentlichen Mitteln - und galt in den frühen 60er Jahren als ein Meilenstein auf dem Weg des Ruhrgebiets hin zu einer neuen ökonomischen Zukunft fern von Kohle und Stahl. Ähnlich wie bei Opel in Bochum wurde hier der Strukturwandel greifbar - in neuen, zukunftsfähigen Arbeitsplätzen direkt vor der Haustür. „Wir sind alle getäuscht worden”, klagte der damalige Bürgermeister Wolfgang Röken (SPD) nach dem Aus. „Man hat uns belogen und betrogen”, befand Betriebsrats-Chef Wolfgang Triller. Von einer „Nacht- und Nebelaktion” sprachen Funktionäre der IG-Metall. Alle waren überzeugt, dass der Gladbecker Standort hätte gerettet werden können.
Dennoch ist es der Stadt gelungen, in einem recht wirtschaftsfreundlichen Klima  Standortqualitäten ständig zu verbessern und den Strukturwandel in der einstigen Bergbaustadt voranzutreiben. Die Wirtschaftsstruktur ist heute durch einen gesunden Mix kleinerer, mittlerer und einiger großer Unternehmen geprägt. Qualifiziertes Handwerk, Dienstleister und innovative Gründer haben ebenso wie weltweit anerkannte Unternehmen in Gladbeck ihren Standort gefunden.
Etwa im Innovationszentrum Wiesenbusch (IWG), einem gemeinsamen Unternehmen der Stadt Gladbeck und der heimischen Wirtschaft. Mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW wurde das IWG 1995 zwischen Alt-Rentfort und der Autobahn A31 errichtet, um dort jungen Unternehmern einen attraktiven Firmensitz zu bieten. Heute kennt man so etwas als 'Start-Ups'.
Von der flexiblen und modernen Immobilie  profitieren derzeit rund 50 Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen: Dienstleistung, Planung und Unternehmensberatung, Brennstoffzellentechnik, Dieselpreisabsicherung, Elektrotechnik, Gesundheitswesen, IT und Neue Medien, Software, Messtechnik, Metallindustrie, Oberflächentechnik, Anlagenbau, Sport und Entertainment, Umwelt oder Video-Beobachtungssysteme. Inzwischen zählen einige zu den deutschen Marktführern. Der angrenzende Gewerbepark bietet weitere Wachstumsoptionen.


Weitere Leuchttürme der Gladbecker Wirtschaft sind z.B:
•    'Ineos Phenol' in Zweckel. Das Unternehmen ist der weltweit größte Hersteller von Phenol und Aceton und beschäftigt in Gladbeck knapp 300 Mitarbeiter.
•    'Pilkington' produziert in Rentfort Flachglas im Floatglasverfahren sowie im Offline-Beschichtungsverfahren hochwertige Wärmedämm- und Sonnenschutzgläser. Außerdem werden von hier Bauglasbetriebe und nahezu alle Fahrzeugglasstandorte der NSG Group in Europa beliefert. In Gladbeck sind etwa 520 Mitarbeiter beschäftigt.
•    'TCM' (Tool Consulting & Management) ist ein Autozulieferer an der Haldenstraße mit 35 Mitarbeitern.
•    'Surteco' – ehemals Döllken - an der Beisenstraße produziert Kunststoffkanten und hat weltweit 1.200 Mitarbeiter, davon in Gladbeck etwa 450.
•    'Klingenburg' produziert in Brauck Wärmetauscher zur Energierückgewinnung und hatte weltweit etwa 400, davon in Gladbeck 220 Mitarbeiter. Der Weltmarktführer mit Standorten in Polen, USA, China und Großbritannien hat allerdings seit Jahresanfang große Probleme: Das Unternehmen wil im Rahmen eines Insolvenzverfahrens mehr als ein Drittel seines Personals abbauen und zwei defizitäre Geschäftsfelder abstoßen.
•    RBH Logistics (einst ZuH) hatte 572 Beschäftigte, wurde aber 2015 geschlossen.

Kommunale Neuordnung bedeutete beinahe das Ende Gladbecks

Kaum weniger aufregend verliefen die politische und die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. Die Kohlekrise war leidlich gemeistert, die Demokratie hatte ein gutes Vierteljahrhundert Tritt gefasst, da wurde es in der ersten Hälfte der 1970er Jahre turbulent: Der Landtag beschloss am 8. Mai 1974 das 'Ruhrgebietsgesetz' und regelte damit eine kommunale Neugliederung, die bereits in der zweiten Hälfte der 1960er begonnen hatte. Die Hiobsbotschaft: die drei Gemeinden Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen sollten zur neuen Stadt Bottrop vereinigt werden, 'Glabotki' sollte Gladbeck schlucken.
Der Rat der Stadt Gladbeck beschloss zwar einstimmig, Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz einzulegen. 'GlaBotKi is nich', so lautete der Slogan. Doch zunächst erfolgte am 1. Januar 1975 der Zusammenschluss, Gladbeck hieß tatsächlich vom 1. Januar bis zum 6. Dezember 1975 Bottrop II.
Doch dann setzte der Verfassungsgerichtshof in Münster das 'Glabotki-Gesetz' außer Kraft. Das vom damaligen Oberstadtdirektor Otto Rump angerufene Gericht befand im 'Nikolaus-Urteil' vom 6. Dezember 1975, dass Bürgernähe und höhere Verwaltungseffizienz – die Begründung für die Neuordnung – nicht gegeben seien. Die Vereinigung wurde rückgängig gemacht und die Gemeinderatswahl von 1975 zum Bottroper Gemeinderat für ungültig erklärt. Seit dem 1. Juli 1976 gehört Gladbeck dem Kreis Recklinghausen an.

Fast 20 Jahre gingen danach ins Land, bis Gladbecks Politik erneut aufhorchen ließ. Nach ununterbrochener Herrschaft der Sozialdemokraten – 'Rote Rathäuser' im Revier – wurde 1994 der Christdemokrat Eckhard Schwerhoff vom Rat zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Eine Sensation! Dieses neue Amt ohne  Stadtdirektor war durch eine NRW-Wahlreform vorzeitig möglich geworden. Bei den Wahlen hatte die regierende SPD mit dem noch ehrenamtlichen Bürgermeister Wolfgang Röken die absolute Mehrheit nur sehr knapp verfehlt.
Da der hauptamtliche Bürgermeister kraft Amtes im Rat stimmberechtigt ist, hätte ein SPD-Bürgermeister zu einer Pattsituation geführt. Daher beschlossen die Grünen und die neue Wählervereinigung 'Bürger in Gladbeck', zusammen mit der CDU den bisherigen Sozialdezernenten Eckhard Schwerhoff zu wählen. Er war zwar CDU-Mitglied, jedoch bis dato nicht aktiv in der Stadtpolitik in Erscheinung getreten. Für eine Übergangszeit bis zum 1. Januar 1995 wählte der Rat am 3. November 1994 die langjährige Ratsfrau Maria Seifert (CDU) zur Bürgermeisterin. Auch das war eine Premiere, denn erstmals stand mit ihr in Gladbeck eine Frau an der Spitze der Stadt.

Gegen die Stimmen der SPD wurde in der gleichen Sitzung Eckhard Schwerhoff zum hauptamtlichen Bürgermeister zum 1. Januar 1995 bestellt. Er wurde dann 1999 bei der Direktwahl wiedergewählt und blieb bis September 2004 im Amt. In der Stichwahl zur Kommunalwahl vom 10. Oktober 2004, zu der Schwerhoff nicht mehr antrat, wurde Ulrich Roland (SPD) zum neuen Bürgermeister gewählt. Er amtiert bis heute.

Seit dem 21. Juli 1919 hat Gladbeck einen Bürgermeister
Bis 1976 war die Stadt kreisfrei, daher lautete die Amtsbezeichnung 'Oberbürgermeister', seitdem 'Bürgermeister'. Seit 1994 ist er zugleich Vorsitzender des Rates und Chef der Verwaltung.
Folgende Bürgermeister standen bisher an der Spitze der Stadt (s.a. Bilderseiten):
•    1919 – 1931: Michael Jovy, parteilos
•    1932 – 1945: Bernhard Hackenberg, Zentrum, ab 1933 SS, ab 1937 NSDAP
•    1945 – 1946: Johannes Schulte, von den Briten ernannter OB
•    1946: Wilhelm Olejnik, SPD, Vorsitzender des Rates
•    1946 – 1958: Friedrich Lange, SPD
•    1958 – 1963: Heinrich Kliem, UWG
•    1963 – 1965: Hans Wuwer, SPD
•    1965 – 1971: Günter Kalinowski, SPD
•    1971 – 1974: Norbert Aust, SPD
•    1976 – 1994: Wolfgang Röken, SPD
•    1994: Maria Seifert, CDU
•    1995 – 2004: Eckhard Schwerhoff, CDU
•    Seit 2004: Ulrich Roland, SPD

Die sechs Stadtteile Gladbecks werden seit dem 1. Januar 1978 in Stadtbezirke unterteilt (Einwohnerzahlen vom 30. Juni 2013)
•    Brauck (17.236):  Brauck (12.268) - Rosenhügel (4.968)
•    Butendorf (11.635)
•    Ellinghorst (3.082)
•    Mitte (18.328):  Mitte 1 (West; 11.027) - Mitte 2 (Ost; 7.301)
•    Rentfort (14.450): Alt-Rentfort (4.457) - Rentfort-Nord (7.582) - Schultendorf (2.411)
•    Zweckel (11.082)


Seit 2004 hat die SPD wieder das Sagen im Rathaus, gestützt von den Grünen. Eine böse Überraschung gab's für die Partei allerdings bei der Europawahl am 26. Mai diesen Jahres: sie  erlitt erdrutschartige Verluste und sackte auf unter 26 Prozent. Die CDU verlor nur drei Prozent im Vergleich zu 2014 und kam mit 22 Prozent mit einem 'blauen Auge' davon. Strahlende Gewinner dieser Wahl sind die Grünen, in Gladbeck sonst eher schwach. Sie legen um über zehn Prozent zu, 15,65 Prozent der Wähler haben für sie gestimmt. Dass die AfD ebenfalls enorm zugelegt hat, auf 13,63 Prozent der Stimmen kommt und bei dieser Europawahl viertstärkste Partei in Gladbeck ist, lässt auf eine große Zahl von Protestwählern schließen.

Geiseldrama bringt Gladbeck 1988 tagelang ins TV

Im August 1988 gerät Gladbeck bundesweit in die Schlagzeilen, als Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski schwer bewaffnet die Filiale der Deutschen Bank im Einkaufszentrum Rentfort-Nord überfallen, 420.000 D-Mark erbeuten, zwei Geiseln nehmen und mit Rösners Freundin in einem Auto die Flucht ergreifen. Danach fliehen sie drei Tage lang - live verfolgt und begleitet von Fernsehen, Radio und Printmedien - durch NRW, Niedersachsen, Bremen und Holland. Dabei sterben drei Menschen.
In Bremen kapern die Bankräuber am 17. August einen Linienbus mit 32 Geiseln und töten zwei von ihnen. Der 15-jährige Emanuele de Georgi wird von Degowski im Bus erschossen, die 18-jährige Silke Bischoff einen Tag später von Rösner auf der Autobahn bei Bad Honnef, als ein Spezialkommando der Polizei die Geiselnahme beendet. Der 31-jährige Bremer Polizist Ingo Hagen kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Geiselnehmer geben Interviews, spielen mit Polizei und Medien Katz' und Maus.

Dieter Degowski, zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt, ist nach fast 30 Jahren Haft wieder frei. Der 61-Jährige durfte im Februar  2018 das Gefängnis mit neuer Identität verlassen. Sein Komplize Hans-Jürgen Rösner, für den ebenfalls Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt weiter ein. Auch er strebt eine vorzeitige Entlassung an. Der 60-jährige hat allerdings erst jüngst einer Therapie zugestimmt.
30 Jahre nach dem 'Gladbecker Geiseldrama' hat der NRW-Landtag die Angehörigen der drei Todesopfer um Entschuldigung gebeten. Zugleich wurden erstmals Behördenfehler zugegeben, die damals begangen wurden. Durch ihre Liveberichte und Interviews boten die Medien den Verbrechern ein öffentliches Podium in bis dahin nicht gekannter Form. Dieses Verhalten rief später große Empörung und Kritik hervor. An die 54 Stunden des 'Geiseldramas' hat die ARD im vergangenen Jahr mit einem zweiteiligen Fernsehfilm erinnert und damit drei 'Deutsche Fernsehpreise' gewonnen.

Gastarbeiter und Flüchtlinge verändern die Stadtgesellschaft

Einen ständigen Wandel erfährt nach Kriegsende auch das Leben der Stadt und ihrer Gesellschaft. Die Bevölkerung wächst sprunghaft. Bereits 1950 zählt Gladbeck 72.000 Einwohner, 1956 überschreitet die Stadt erstmals die 80.000, erreicht 1970 den Höchststand mit 83.200. Am 31. Dezember 2017 waren es aber nur noch 75.689. Und die Einwohnerzahl dürfte in den nächsten 15 Jahren weiter schrumpfen: aber laut jüngster Studie der Bertelsmann-Stiftung deutlich weniger stark als in allen Nachbarstädten. Die Prognose geht von einem Minus von 1,8 Prozent aus bis 2030 – dann soll Gladbeck nur noch 72 630 Einwohner zählen.
Gewaltig verändert hat sich in dieser Zeit auch die Struktur der Bevölkerung. Mit der Industrialisierung und dem Bergbau waren am Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend Menschen aus dem deutschen und europäischen Osten nach Gladbeck  gekommen, am Kriegsende schwappte eine mächtige Flüchtlingswelle in die Stadt. Seit Mitte der 1950er Jahre wurden dann 'Gastarbeiter' aus dem Mittelmeerraum angeworben, zunächst aus Italien, später auch aus Spanien, Griechenland, Marokko. Südkorea, Portugal, Tunesien und Jugoslawien.
Das Anwerbeabkommen mit der Türkei löste ab 1961 einen weiteren enormen Zustrom aus. In den 1960er Jahren arbeiteten die 'Gastarbeiter' zumeist als un- oder angelernte Arbeiter in der Industrie, an Fließbändern und vor allem in Bereichen, in denen schwere und schmutzige Arbeit verrichtet werden musste. Sehr viele von ihnen sind später nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt, sondern in Gladbeck geblieben, haben ihre Familien nachgeholt oder neue gegründet und leben hier inzwischen in 2. oder 3. Generation. So sind in Gladbeck heute ganze Straßen und Bezirke z.B. deutlich durch türkische Einflüsse geprägt.

Darüber hinaus hat unsere Stadt nach 2015 immer wieder Flüchtlinge und Asylbewerber aus Kriegs- und Krisengebieten aufgenommen und versorgt, meist aus Syrien und Irak. 2016 gab's laut Statistik in Gladbeck 11.425 ausländische Mitbürger/Innen aus 82 Nationen, 5014 hatten einen türkischen Pass. Der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln an der Gesamtbevölkerung betrug knapp 15 Prozent. Ihre Integration stellt die Stadt immer noch vor erhebliche Probleme. Denn nicht alle Migranten streben eine soziale Eingliederung in ihrem Gastland an. Bis zu einer echten multikulturellen Gesellschaft ist‘s noch ein weiter und steiniger Weg.

Gladbeck unterhält eine Reihe von Städtepartnerschaften
•    Marcq-en-Barœul (Frankreich), seit 1964
•    Schwechat (Österreich), seit 1966
•    Enfield (Großbritannien), seit 1970
•    Fushun (Volksrepublik China), seit 1988
•    Wandlitz, Brandenburg, seit 1990
•    Wodzislaw Slaski (Polen), seit 1990
•    Alanya (Türkei), seit 1993
•    Seit 1971 besteht eine Partnerschaft zu einem Landungsbootgeschwader der
Bundesmarine.

Gladbecks enorme Anstrengungen und großen Erfolge beim Wiederaufbau nach 1945 finden gelegentlich auch bundesweit Anerkennung.

1997 wurde Gladbeck in einem Wettbewerb des Bundesfamilienministeriums als 'Besonders kinder- und familienfreundliche Stadt' ausgezeichnet: Belohnung für ein umfangreiches Beratungs- und Betreuungsangebot, attraktive Schulen, tolle Spielmöglichkeiten bis zu Angeboten für Familien mit Kindern, kostengünstig zu bauen. 2002 gewann Gladbeck den 1. Preis im Wettbewerb 'Sportgerechte Stadt' des LandesSportBundes NRW.

Gewürdigt wurde in Städten bis 100.000 Einwohner neben dem Sportstättenangebot die Sportentwicklungsplanung, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen sowie das funktionierende Netzwerk zwischen Sportpolitik, Sportverwaltung und Sportselbstverwaltung.

Und Gladbeck bemüht sich weiter:
Mit den Quartieren Rentfort-Nord und Stadtmitte ist die Stadt seit  dem 2. Mai 2016 am Roll Out des InnovationCity Prozesses beteiligt. Für die Stadtteile wird ein Konzept zum klimagerechten Umbau nach dem Vorbild der Modellstadt Bottrop erstellt. Ziel ist, den CO2-Ausstoß in den Quartieren zu senken und dabei die Wohnqualität zu steigern.

„Die Stadtpolitik ist seit 1995 auf die permanente Erneuerung des Lebensraums Stadt ausgerichtet. Große Maßnahmen (…) sollen insbesondere junge und leistungsstarke Familien an Gladbeck binden”, stellt Stadthistoriker Rainer Weichelt
fest.
Er hat Recht, genauso wie mit seinem Fazit aus dem Jahr 2004: „Trotzdem bleibt Gladbeck eine Stadt der Arbeit in einer Region der Arbeit. Nur wenn es gelingt, den Dreiklang aus Arbeit, Lebens- und Wohnqualität für Jung und Alt sowie qualitative Bildung und Ausbildung harmonisch aufeinander abzustimmen, wird sich Gladbeck zu einer stabilen, (…) sich selbst genügenden Stadt entwickeln. Gladbeck braucht noch viele aktive Bürgerinnen und Bürger, die sich die gemeinsame Sache zu Herzen und in die Hand nehmen.” Also ran!!!

Manfred Bogedain

Quellen: Stadt Gladbeck, Stadtarchiv, WAZ, Wikipedia, Rainer Weichelt 'Geschichte der Stadt Gladbeck'
Fotos: Peter Braczko, Stadtarchiv, Archiv 'Gladbeck Unsere Stadt'